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Trierischer Volksfreund Die Blechtrommler
Wenig bekannt sind die lyrischen Werke von Günter
Grass. Und wenn auch das Konzept der rhythmisch unterlegten Gedicht-Rezitation kein Novum in der deutschen
Kulturszene darstellt, so haben Sprachkünstlerin Anke Kramer und Schlagzeuger Ortwin
Feil bereits allein mit ihrer Textauswahl Neuland betreten - allerdings auf wenig
geeignetem Terrain.
Konz. (kbb) "Mein Zorn, ein Straftäter mit Vorsatz", heißt es zu Beginn des gleichnamigen Gedichts aus der Feder des 80-jährigen Literaten. Die
stimmliche Artikulation und der bedrohlich wirkende Rhythmus des Schlagzeugs erzeugen
eine dunkle, fast beklemmende Atmosphäre - oder versuchen es zumindest. Denn im grauen Bibliotheksflair mit Neonlicht und Bücherregalen scheint jene Welt
sich nur schwerlich der Vorstellungskraft der Zuhörer offenbaren zu können. Eine
dunkle Bühne, ein einzelner Scheinwerfer wären dafür prädestiniert. So ist es trotz
der großartigen Leistung der beiden Künstler nachvollziehbar, dass das Publikum
sich zuerst ein wenig zurechtfinden musste - im eigenwilligen
Bibliotheksambiente, aber auch in der weitgehend unbekannten lyrischen Welt des Günter Grass.
Diese besteht aus Bildern, deren tiefere Bedeutung sich oftmals erst dann erschließt, wenn die Worte bereits verklungen sind. Dahinter verbirgt sich
ein aufrüttelnder und bisweilen gar schonungsloser Duktus, dessen Bühne die Politik ist und das Private
gleichermaßen. Der naive "Gesang der Brote im
Ofen", die bedrückende Wahrnehmung "Im Ei", die flache Talkshow-Welt als
"Dampfkesseleffekt". Die ersten 26 Gedichte und Zweizeiler zeigen den gesellschaftlichen Grass, die folgenden
19 Stücke porträtieren den privaten. Nicht zuletzt sagte dieser, man könne ihn erst durch seine Gedichte wirklich
verstehen. Anke Kramer, Mitglied der poetischen Kabarettgruppe "Fabulyriker", nutzt ihre stimmliche Variabilität
brillant aus, rezitiert mal in leisem Flüsterton, mal in lautem Stakkato. Jazz-Schlagzeuger Ortwin Feil ist dabei
mitnichten Statist. Er ist Akteur, die facettenreichen Rhythmen sind nicht bloße Begleitung, sie haben eine
eigenständige Qualität und sind minutiös auf Inhalt und Artikulation des Textes abgestimmt.
09.11.2007
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