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Trierischer Volksfreund
Skurriler Dialog, bittere Wahrheit
Trier/Saarburg. Ihre Kunstform liegt irgendwo zwischen Dichterlesung,
Kabarett und Theater, sie lesen, rezitieren, fabulieren und schauspielern.
"fabuLyriker" nennen sich Anke Kramer, Gunnar Pietsch und Frauke Beling,
drei
diplomierte Sprechwissenschaftler, die mit ihrem aktuellen szenischen
Programm "Uneinheitlich Einheitlich" heute in der Tufa zu sehen sind.
"Schade, dass es Millionen wunderbare Texte gibt, die ungelesen oder
ungehört bleiben",
seufzt Gunnar Pietsch und schwärmt von der Kunst der Rhapsoden. Das waren
fahrende
Sänger, die in der griechischen Antike klassische Dichtung unters Volk
brachten, was, kurz
gesagt, auch das Anliegen der drei "fabuLyriker" ist. Sie schöpfen
allerdings aus einer
späteren Blütezeit des Rhapsodentums, den 20er-Jahren des vorigen
Jahrhunderts, als die
Kunst des dramatischen Zitierens mit Schauspiel- und Kabarett-Elementen
angereichert
wurde.
Liebe zur Sprechkunst
"Zu einem Thema verknüpfen wir Lyrik- und Prosatexte zu szenischen Stücken
und entwickeln
dazu Figuren. Die verkörpern wir, schaffen dadurch abwechslungsreiche,
spannende und
humorvolle Auftritte", erklärt Frauke Beling die Entstehung eines Programms.
"Wir wollen
Worte mit Leben füllen, die Schönheit und Bildhaftigkeit unserer Sprache
vermitteln", sagt
Anke Kramer. Liebe zur Sprechkunst hat die Drei zusammengeführt – über Halle
an der Saale,
wo ein 1906 gegründetes Institut den bundesweit einzigen Studiengang der
Sprechwissenschaften anbietet.
"Nicht unbedingt nahe liegend", sagt die ehemalige Trierer Waldorffschülerin
Frauke Beling,
die dort Erfahrungen mit dem Theaterspiel gemacht und den Wunsch nach einem
Sprech-
Beruf entwickelt hat. "Zwar nahe liegend, als Ausbildung bei uns aber
dennoch selten", sagt
Anke Kramer, wie Gunnar Pietsch aus Bautzen stammend, und wie er mit
"extremer
Musikschulvergangenheit". "Das war wie Leistungssport in der DDR."
Aus Studien- wurden bei allen dreien Tätigkeitsschwerpunkte. Gunnar Pietsch
ist
Sprecherzieher für Schauspieler in Köln, Frauke Beling
Kommunikationstrainerin, die auch
Phonetik für Chinesen und Stimmbildung für Logopädenschüler vermittelt.
Beide wohnen in
Düsseldorf. Anke Kramer, die mit ihrer fünfköpfigen Familie in Saarburg
lebt, leitet Seminare
zu Rhetorik und Sprecherziehung, bildet Flötenschüler aus und singt im
Trierer Extra-Chor.
Lesungen bei Senioren
Die Sprechkunst pflegen sie seit 1999 bei regelmäßigen szenischen Lesungen
in der
Seniorenresidenz am Zuckerberg oder bei privaten Feiern. Der Name "fabuLyriker"
entstand
im Juni 2004 und steht über großen Programmen, die zusammen mit Gästen
aufgeführt
werden. So auch das aktuelle "Uneinheitlich Einheitlich", in dem
Schauspieler Timo Filke
mitwirkt. Lyrik und Prosa von 1961 bis heute, aus Ost und West, beleuchten
das Lebensgefühl
der Menschen im erst geteilten und dann wiedervereinten Deutschland.
"Das ist für uns, zwei Ossis und zwei Wessis, natürlich sehr aktuell", sagt
Gunnar Pietsch. "Die
Teilung war für den Osten ein viel stärkeres Thema, wir haben dazu viel mehr
Texte aus der
DDR als aus der BRD gefunden", sagt Frauke Beling. "Weil wir uns immer
fragen mussten:
Kann man sich mit einem Land identifizieren, das einen nicht rauslässt",
ergänzt Anke Kramer.
Auf jeden Fall, versprechen die "Fabulyriker", sei Heiterkeit im Programm
und erinnern sich
lachend an die Proben...

11.05.2005
ANKE EMMERLING
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